Unterschätzung des Wandels

Risiken der Transition

Die Erfahrung aus vergangenen erfolgreichen Technologietransitionen zeigt die verhängnisvolle Tendenz zur Unterschätzung des Wandels. Transformationen führen zu Disruptionen wie Nokia, RIM (BlackBerry), Kodak u.v.a.m. erfahren haben. Aktuell laufen die Energietransition und die Mobilitätstransformation parallel, sie bestärken sich gegenseitig. Diese Transformation wird einen nie dagewesenen Umfang in einer sehr kurzen Zeit erreichen. Die damit einhergehenden Risiken werden nicht nur den Energie- und Automotive-Sektor betreffen, sie werden die gesamte Ökonomie durchdringen.

Die vergangenen Transitionen haben sich auf Technologien mit geringer Reichweite bezogen. Die Disruption war auf wenige Unternehmen begrenzt. Die Energietransition hingegen betrifft alle Sektoren, das Ausmass einer Transition in nur 20 – 25 Jahren ist kaum abschätzbar. Auswirkungen sind im Automotive-Sektor bereits deutlich zu spüren.

Die Risiken der Energietransition

Stranding-Risk und seine Folgen

Auch wenn die Transition zur E-Mobilität mitentscheidend für die Energietransition ist, sie ist ein wichtiger Treiber der Energieeffizienz, so ist der Automotiv Sektor jedoch klein im Vergleich zum gesamten Energiesektor. Der Wandel wird die gesamte Ökonomie betreffen, kein Sektor ist unabhängig von Energieversorgung, von Energiepreisen. Die mit der Transition einhergehenden Risiken lassen sich nicht direkt mit Erfahrungswerten verknüpfen. Historische Daten zu vergleichbaren Entwicklungen liegen nicht vor. 

Das Schlagwort zu den mit einer Disruption verbundenen Risiken ist Stranding-Risk1, es klingt abstrakt. Oftmals wird es leichtfertig mit folgender Argumentation abgetan: Was soll schon passieren, wenn Öl, Kohle und Erdgas im Boden verbleiben? 

Exakt diese Argumentation ist fatal, in dieser Sichtweise liegt das Risiko. Sie blendet den Zusammenbruch des fossilen Energiesektors und der von Energieexporten abhängigen Ökonomien aus. Die finanziellen Mittel in dem Energiesektor sind keinesfalls unerschöpflich, sie werden so schnell aufgebraucht, wie sie durch den Verkauf der Rohstoffe eingenommen werden. Darüber hinaus lässt die Argumentation die finanziellen Risiken vollständig unbeachtet. Aus der Finanzkrise kennen wir die Bedeutung der Spill-over Effekte. Es ist unwahrscheinlich, dass sie in der Energietransition nicht auftreten werden. Die BIS erwähnt, dass sie die Auswirkungen der Finanzkrise übertreffen könnten. 

Die Empirie und die auf ihr basierende Modellierung besagt, dass die Öl- und Gasvorräte, die bis zum Ende der Energietransition benötigt werden, wahrscheinlich längst erschlossen sind. Dennoch fliessen täglich weitere gewaltige Investitionen in die Erschliessung neuer Öl- und Gasfelder. Diese Investitionen werden wahrscheinlich als Abschreibungen enden. Und diese Beträge überschreiten bereits heute die Verluste aus der Finanzkrise deutlich.  

Natürlich gibt es auch andere Modelle als die empirisch Basierten. Modelle gibt es viele aber fast ebenso viele haben versagt, deren Prognosen wurden nahezu stets und in kurzer Zeit von der Realität überholt. Das spektakuläre Versagen der IEA-Modelle ist schon fast Legende2. Damit ist eines der grössten Risiken der Transition identifiziert: das Modellrisiko 

1 Stranding-Risk: Das Risiko, dass Assets an Wert und parallel dazu an Liquidität verlieren, der aufkommende verkaufsdruck führt zu weiteren Verlusten und am Ende zu einem Fire-Sale mit einem Zusammenbruch der Liquidität. Die fehlende Handelbarkeit, das Stranden ist die Konsequenz. 

Das Modellrisiko 

Die Anwendung eines wenig tragfähigen Modells induziert geradezu ökonomische Fehlentscheidungen. Fehlentscheidungen in einem Ausmass, dass sie den Fortgang von Unternehmen, Sektoren, Ökonomien gefährden. Diese Modelle verleiten zu eklatanten Fehleinschätzungen, sie verschleiern die mit der Transition einhergehenden Gefahren wie den möglichen Zusammenbruch ganzer Ökonomien und Ökonomieverbänden wie der OPEC.  

Der automotive Sektor in Deutschland erfährt aktuell, was es heisst, wenn keine oder schwache Prognosen, resultierend aus ungeeigneten Modellen, genutzt zu haben. Der Wandel zur E-Mobilität war mit der empirisch basierten Modellierung spätestens 2017 zu erkennen. 

Anstatt sich auf den globalen Trend einzustellen, hat der Sektor versucht, sich dem Wandel entgegenzustellen. Aber der Wandel lässt sich nicht aufhalten, selbst die Unterstützung durch EU-Einfuhrzölle auf chinesische E-Fahrzeuge wird den Sektor nicht schützen können, so die Empirie3 erfolgreicher Technologietransitionen. Die Verschärfung der Energieverbrauchsregularien in China, dem grössten Automobilmarkt der Welt, unterstreicht den Wandel. Die von einigen Parteien versuchte Reanimation der Verbrenner wird sich als fatale Fehlentscheidung erweisen. In der Konsequenz wird der Wandel die betroffenen Unternehmen umso schärfer beeinträchtigen. Automobiltechnologie ist Technologie auf einem globalen Markt, die Verzögerungen in Deutschland werden den Trend nicht aufhalten.

Die Alternative zur Modellierung wäre der Verzicht auf die Modellierung. Das wäre das bewusste Bekenntnis, die Augen vor der Zukunft zu verschliessen. Da sind sogar die Expertenschätzungen, so schlecht sie nachgewiesenermassen auch sein mögen, noch besser. 

Die Modellierung lässt auch die Heterogenität des Wandels erkennen. Die Energiekosten werden sich nicht uniform entwickeln. Der Zugang zu batteriegestütztem 24/7 Solarstrom ist in einigen sonnigen Ländern bereits für weniger als 3 ct./ kWh möglich und 1 ct./ kWh ist bis 2030 wahrscheinlich4. Das schafft völlig neue Herausforderungen in der Wettbewerbsfähigkeit. Die mögliche Verlagerung der Produktionsstandorte oder die Abwanderung in sonnenverwöhnte Ökonomien ist eine zu treffende Entscheidung. Diese ist nicht allein unter Einbeziehung der Energiepreise zu treffen, aber diese spielen eine wichtige Rolle. 

2 https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Energieagentur#/media/Datei:Reality_versus_IEA_predictions_-_annual_photovoltaic_additions_2002-2016.png

3 Die Empirie erfolgreicher Technologiewandel ist ein verlässlicher Schätzer für laufende Technologietransitionen. 

4 Sofern die Eigenproduktion und Eigennützung der Energie ohne Netznutzung (Netz Entgelt) möglich ist (z.B. in Spanien).

Die eigene Überzeugung

Das vielleicht grösste Risiko

Die Energietransition wird seit fast 50 Jahren diskutiert. Die sich beschleunigende Entwicklung wurde von vielen wahrgenommen und verfolgt. Die Argumente zur Energietransition sind so oft ausgetauscht, dass sie nicht mehr hinterfragt werden, sie verknüpfen sich inzwischen zur Gewissheit. Ein Beispiel sind die vielfach angeführten exorbitant hohen Ausbaukosten der Strominfrastruktur. Diese mögen zwar auf Studien von bekannten Consultingunternehmen beruhen. Sie lassen jedoch die drastische Entwicklung der Stromspeicherung ausser Acht. Die Batteriekosten fallen sehr schnell. Das produzierte Volumen wächst exponentiell und die Speicherdichte mit jeder neuen Batteriegeneration ebenfalls. Dezentrale Stromspeicherung ist der Schlüssel zur grundsätzlichen Verminderung des (Verteil-)Netzausbaus. Mit dieser Stromspeicherung kann nicht nur die Überschussproduktion des PV-Stroms aufgenommen werden, vielmehr kann auch Windstrom in Lastarmen Zeiten gut in den verteilten Stromspeicher gepuffert werden. In Spitzenzeiten kann der wieder abgegeben werden. Teilweise kann diese dezentrale Speicherung von BEVs (BatteryElektricVehicles) über bidirektionales Laden bereitgestellt werden. Die Kosten werden von den BEVs getragen und sind nicht dem Netzausbau zuzurechnen. Mit diesem Ansatz reduziert sich Ausbau der Verteilnetze drastisch, die in den vorstehend erwähnten Studien der Consultingunternehmen genannten Kosten sind Makulatur. 

Grundsätzlich alle bekannten Argumente, die eine schnelle Transition in Abrede stellen, fallen bei aktueller Betrachtung in sich zusammen. Inzwischen ist die Entwicklung so rasant, dass die Presse mit der Publizierung der Entwicklung kaum noch nachkommt. Überlagert wir diese Entwicklung durch die dramatischen Entwicklungen der letzten Jahre, Kriege, schwere Naturkatastrophen. So verfestigen sich die Bedenken zur schnellen Transition zur Gewissheit, dass sie nicht möglich ist. Genau darin liegt eins der grössten Risiken. Die Geschwindigkeit wird unterschätzt. 

Exakt das ist die Ursache für die Unterschätzung der Disruption. Nur dass es dieses man nicht bei einzelnen Firmen wir Nokia oder Kodak bleiben wird. 

Regulation als Risiko

Eine weitere Risikoquelle ist die Regulation selbst. Zum einen hat sich die Regulation in weiten Bereichen zu einer erheblichen Bürde entwickelt. Zum anderen gibt es ein Übervertrauen in die Regulation. Im Finanzsektor beispielsweise wird die sich entwickelnde Regulation teilweise als Schutz vor den Risiken angesehen, die Argumentation ist die Folgende: Die Regulatoren haben bereits Stresstests durchführen lassen und mit dem Bestehen dieser Stress-Tests sind doch sicherlich die wichtigsten Risiken abgedeckt. Also muss sich niemand sorgen. 

Dem steht die Empirie vergangener Technologietransitionen jedoch diametral entgegen. Die Disruption wird die regulatorischen Stresstests wahrscheinlich um Grössenordnungen übertreffen. Ob sich die Regulatoren dessen bewusst sind, können wir nicht beurteilen, aber die Regulatoren haben sich bereits mit entsprechenden Disclaimern freigezeichnet. Ihnen wird keiner Vorwürfe machen können. 

Grosse Fonds-Investoren wie Versicherungen berufen sich häufig auf die ESG-Vorschriften für Fonds mit dem Argument, dass die Vorschriften vor Risiken schützen, da sie doch entsprechend des Transitionspfades ausgelegt sind. Nur haben diejenigen die die ESG-Vorschriften erstellt haben einen weitaus weniger verlässlichen Schätzer genutzt als die Empire. De facto erhöht die Scheinsicherheit die Gefahr. Sollten die Risiken schlagend werden, wird sich das kaum auf den Energiemarkt beschränken, es wird die Finanzmärke erschüttern, wie die Erfahrung aus der Finanzkrise zeigt. 

Aber wie schon erwähnt, fehlen vergleichbare Erfahrungen. Das lässt sich auch mit dem bei Strategieberatern so beliebten Benchmarking nicht lösen. Die die Risiken werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer neuen Dynamik und einem unbekannten Ausmass entwickeln. Zum Management der Transitionsrisken verweisen wir auf Risikomanagement.

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Wir helfen Ihnen gern und mit grossem Enthusiasmus die Chancen der Transition zu erkennen und zu ergreifen und die Chancen mit den Risiken auszubalancieren.